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Craniosacral-Therapie: Körpereigene Selbstregulation

Craniosacral-Therapie: sanfte Behandlung zur körpereigenen Selbstregulation

Inhalt:

  1. Was ist die Grundlage der Craniosacral-Therapie?
  2. Woher kommt die Craniosacral-Therapie?
  3. Was passiert bei einer craniosacralen Behandlung?
  4. Warum ist der craniosacrale Rhythmus so einflussreich?
  5. Für wen ist Craniosacral-Therapie geeignet?
  6. Welche Rolle spielt das unbewusste Nervensystem?
  7. Was passiert bei „Stress“ mit dem autonomen Nervensystem?
  8. Wie entwickelt sich ein Ungleichgewicht im ANS?
  9. Warum ist die Regulation des autonomen Nervensystems so zentral?

Was ist die Grundlage der Craniosacral-Therapie?

Der Begriff craniosacral bezieht sich auf Cranium, das ist der Begriff für Schädelknochen und Sakrum, das ist der lateinische Name für Kreuzbein. Zwischen diesen beiden Knochenstrukturen befindet sich das zentrale Nervensystem (ZNS): Im Schädel das Gehirn und in der Wirbelsäule, die dann den Schädel mit dem Kreuzbein verbindet, das Rückenmark. Das ZNS ist umhüllt von mehreren Schichten sogenannter Membranen, d.h. den Gehirn- und Rückenmarkshäuten. Zwischen diesen Membranen zirkuliert eine Flüssigkeit, der sogenannte Liquor oder cerebrospinale Flüssigkeit. Der Liqor fließt und pulsiert innerhalb dieser Membranen in einem eigenen Rhythmus. Die rhythmischen Pulsationen kann man auch beobachten, wenn ein Doktor eine Operation an der eröffneten Wirbelsäule durchführt und die Rückenmarkshäute sichtbar sind. Dann sieht man, wie der Liquor wellenförmig in einem in einem langsamen Rhythmus unter diesen Membranen pulsiert. Die Frequenz oder Häufigkeit dieser sanften Pulsation ist dabei unabhängig von der Frequenz des Herzschlags oder der Atmung.

Woher kommt die Craniosacral-Therapie?

Die Craniosacral-Therapie ist eine Körpertherapie und hat sich aus der Osteopathie entwickelt. Die Grundlagen dieser Therapieform wurden von einem amerikanischen Osteopathen entdeckt, William Garner Sutherland. Ihm fielen beim Betrachten eines menschlichen Schädels die unterschiedlichen Strukturen der Schädelnähte auf, welche die Knochenplatten aus denen der Schädel zusammengesetzt ist, miteinander verbinden. Ihm kam der Gedanke, dass vor allem an den Schläfenbeinen die Nähte aussehen wie miteinander verzahnt, ähnlich wie die Kiemen eines Fisches, was auf eine gewissen gelenkartige Beweglichkeit hinweisen könnte. Daraufhin fing Sutherland an, mit einem selbstgebauten Helm an sich zu experimentieren. Mit diesem Helm konnte er selektive einzelne Schädelknochenanteile fixieren.

Je nach Schädelknochenplatte traten bei ihm unterschiedliche körperliche oder psychische Veränderungen auf, die wieder verschwanden, wenn die Fixierung gelöst wurde. Diese Symptome waren nicht nur im Bereich von Kopf und Wirbelsäule spürbar, sondern auch in inneren Organen, z.B. im Verdauungstrakt. Durch die gegeneinander verschiebliche Bewegung der Schädelanteile, wurde er dann auf die rhythmische Pulsation der cerebrospinalen Flüssigkeit aufmerksam.

Hände behandeln Rücken von Patienin in Craniosacral Therapie

Was passiert bei einer craniosacralen Behandlung?

Bei der craniosacralen Behandlung spielt der Rhythmus, in dem der Liquor schwingt, eine zentrale Rolle. Dabei ertastet und beobachtet der Therapeut die minimale Bewegung zwischen den Schädelknochen, die durch die Pulsation des Liquors ausgelöst wird. Gleichzeitig wird die Bewegung des Liquors, also der craniosacrale Rhythmus (CR), auch auf alle anderen Gewebe im Körper übertragen. Wenn im See ein Stein ins Wasser fällt, dann überträgt sich die Welle auch in eine größere Weite. Da unsere Körper zu ca. 65% aus Wasser bzw. Flüssigkeit bestehen, überträgt sich die Bewegung in einem Flüssigkeitskompartiment auch auf andere Bereiche im Körper. Man kann also diesen „Puls“ des Liquors, die Frequenz des CRs, auch an den Füssen tasten und besonders auch an großen Gelenken, z.B. Knie oder Schultern. Die normale Frequenz liegt bei ca. 12-15 Pulsationen pro Minute.

Wenn etwas im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist, kommt es zu Unregelmäßigkeiten in der Übertragung des craniosacralen Rhythmus. Diese weisen auf Blockaden in bestimmten Körperteilen oder Strukturen hin. Während der Behandlung berührt der Therapeut mit den Händen z.B. die Füße oder bestimmte Körperteile des bekleideten Klienten und ertastet diesen Puls. In der biodynamischen Craniosacral-Therapie wird dabei der Fokus auf das gezielte Wahrnehmen dieser Veränderungen gelegt. Und nur miminale subtile Impulse gegeben, was das Gesamtsystem des Klienten, d.h. Körper, Geist und Seele, dazu anregt, Blockaden aufzulösen und in ein neues Gleichgewicht zu finden.

Warum ist der craniosacrale Rhythmus so einflussreich?

Der CR ist der erste Flüssigkeitspuls, der in der embryonalen Entwicklung festzustellen ist. Vor dem Herzschlag entwickelt sich sozusagen schon dieses Flüssigkeitssystem mit seinem eigenen Puls. Und dieser innere Impulsgeber oder diese besondere Frequenz hat Auswirkungen auf alle Teile des Körpers und in dieser Phase auch auf ihre Entwicklung. In diesem Sinn hat er Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, aber auch auf andere Gewebestrukturen.

Flüssigkeit ist überall im Körper und die Schwingung, die sich von dem Taktgeber, dem CR, herleitet, wird dadurch überall hin übertragen und wirkt sich auf die Funktion und Regulation und das Gleichgewicht von allen anderen Organen im Körper aus. Die Wirkung dieses Rhythmus ist als eine Art Körperwissen, Köperintuition, gespeichert und in der Craniosacral-Therapie wird das System des Klienten angeregt, sich wieder zu diesem „Wissen“ zu orientieren, um ins Gleichgewicht zu kommen.

Für wen ist Craniosacral-Therapie geeignet?

Im Grunde genommen kann man Craniosacral-Therapie immer dann anwenden, wenn man die Haltung vertritt, dass ein bestimmtes Symptom, das sich im Körper zeigt, auf einer komplexeren Ursachenkette beruht. Wenn es nicht nur darum geht, jetzt hier sofort das Symptom zu betäuben. sondern wenn man davon ausgeht, dass ein bestimmtes Symptom bei unterschiedlichen Menschen eine ganz andere, individuelle Ursachenkette haben kann. Und wenn man mehr daran interessiert ist, an diesen Ursachen zu arbeiten und die eigene Regulation zu stärken.

Wenn ein System ins Ungleichgewicht gerät, wird sich je nachdem, wo sich die schwächste Stelle befindet, das Symptom an dieser Stelle entwickeln. Das kann bei dem einen Kopfschmerz sein, bei dem anderen Magenschmerzen, beim dritten, der verknackste Fuß, weil Gelenke oder Bänder Schwachstellen sind. Allem aber liegt ein Ungleichgewicht oder eine Imbalance des Systems zugrunde. Durch Selbstregulation, die durch die craniosakrale Therapie gefördert wird, kann dann auch das Symptom heilen. Denn letztendlich sind die Selbstregulation und die Selbstheilungskräfte die stärksten Kräfte in unserem Körper. Deswegen wirkt auch der Placebo-Effekt so stark, weil jeder Einzelne in sich diese Kräfte trägt.

Welche Rolle spielt das unbewusste Nervensystem?

Ein Fokus der craniosacralen Behandlung kann darauf gelegt werden, mit dieser Methode das sogenannte autonome oder unbewusste oder vegetative Nervensystem Impuls zu geben wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das autonome Nervensystem (ANS) ist der Teil des Nervensystems, den man auch unter den Begriffen Parasympathikus und Sympathikus kennt. Das sind zwei, aber eigentlich sogar drei Komponenten des ANS, die dafür sorgen, dass man sich entweder in einem ausgeglichenen Zustand befindet oder in einer Verfassung, in der man akut für das eigene Überleben sorgen muss. Wenn man sich sicher und wohl fühlt, dann ist man in dem Zustand, der vom vorderen oder sogenannten sozialen Anteil des Parasympathikus dominiert wird. Dann – und nur dann – können im Körper Prozesse der Regeneration und Heilung stattfinden.

Was passiert bei „Stress“ mit dem autonomen Nervensystem?

Im Gegensatz dazu gibt es zwei weitere Zustände, in denen sich das ANS befinden kann, wenn man sich nicht mehr sicher fühlt und unter sogenannten „negativen“ Stress gerät. Dann kommt es entweder zur sogenannten „Kampf- oder Fluchtreaktion“, in der besonders der Sympathikus aktiviert ist. Man ist also bereit wegzulaufen oder zu kämpfen. Dieser Zustand kann von Emotionen begleitet sein, z.B. Aggression oder Wut, wenn man eher ein Kämpfertyp ist, oder z.B. Angst oder Panik, wenn man zur Flucht neigt. Aber das Grundphänomen ist: „Ich fühle mich nicht mehr sicher oder ich fühle mich bedroht“. Und man hat das Gefühl, in diesem Moment sich und sein Leben schützen zu müssen. Dies geht einher mit der Aktivierung entsprechender körperlicher Reaktionen durch das ANS – z.B. Erhöhung der Spannung in der Muskulatur und des Blutdrucks –, die dafür sorgen sollen, die nächsten paar Minuten zu überleben.

Der dritte Zustand, der dem ANS noch zur Verfügung steht, ist wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, und die Bedrohung anhält. Der hintere Anteil des Parasympathikus dominiert ihn und es handelt sich um eine Art Erstarrungszustand. Diese Reaktion findet sich z.B. auch bei Menschen, die einen Burnout oder eine Depression haben. Man fühlt sich also nicht mal mehr in der Lage zu kämpfen oder wegzulaufen. Dann findet mehr oder weniger ausgeprägt eine sogenannte Dissoziation statt, eine Art Betäubung oder Abstumpfung, bei der man sich oft auch nicht mehr in seinem Körper spürt bzw. den Körper nicht mehr vollständig wahrnimmt.

Wie entwickelt sich ein Ungleichgewicht im ANS?

Es ist verständlich, dass beide Zustände, sowohl die Kampf- oder Fluchtreaktion als auch die Erstarrungsreaktion, Zustände sind, die normalerweise nur für kurze Zeit anhalten. Danach kehrt das System, wenn die Gefahr vorüber ist und man sich wieder sicher fühlt, in den ausgeglichenen Zustand zurück. Dann kann man regenerieren und sich wieder erholen von diesem sogenannten Stress.

Heutzutage ist es aber häufig so – und dafür gibt es verschiedene Ursachen –, dass Menschen sich übermäßig oft und lange in einem dieser beiden Ausnahmezuständen befinden. Das kommt unter anderem dadurch zustande, dass traumatische Erfahrungen, die nicht vollkommen aufgelöst und verarbeitet oder integriert sind, zu einem Ungleichgewicht im ANS führen. Das autonome Nervensystem wird durch kleine Auslöser, sogenannte Trigger, immer wieder und viel schneller dazu gebracht, in einen der beiden Ausnahmezustände zu wechseln.

Das Trauma ist nicht aufgelöst, was bedeutet, dass man nie mehr das Gefühl hatte, wieder wirklich in der Sicherheit angekommen zu sein. Das ganze System befindet sich dadurch in einem andauernden Alarmzustand, die einhergeht mit einer Form von Hypervigilanz. D.h. übermäßig aufmerksam, wachsam und ständig in Beobachtung, ob irgendwo ein Reiz bzw. eine Wahrnehmung sein könnte, den ich als Gefahr einschätze. In diesem Zustand der Alarmbereitschaft entwickeln sich vermehrt Gefühle der Angst und des Misstrauens. Diese führen auch immer wieder reflexartig zu bestimmten Verhaltensweisen.

Warum ist die Regulation des autonomen Nervensystems so zentral?

Man weiß heutzutage das andauernder Stress, der wie gerade beschrieben, durch eine Dysregulation im ANS bedingt ist, für die Entwicklung fast aller chronischen Erkrankungen ursächlich ist. Dazu gehören sowohl psychische Erkrankungen, wie Depressionen, ADHS oder Borderline-Störungen, als auch chronische körperliche Erkrankungen, bei denen das Immunsystem eine Rolle spielt, z.B. Autoimmunerkrankungen, oder ganz klassisch hoher Blutdruck, der beispielhaft für eine Überaktivierung des Sympathikus steht.

Eine Möglichkeit das ANS darin zu unterstützen, wieder in die normale Selbstregulation zu gelangen, ist dabei die Anwendung der Craniosacral-Therapie.

Was genau die Grundlagen der Craniosacral-Therapie und chronische Erkrankungen sind, erklärt Therapeutin Oda Ewald im folgenden Video:

Für weitere Informationen und Terminvereinbarungen schreiben Sie uns gerne an info@wirbeldoc.de oder rufen Sie uns an unter 0221-80144960. Wir freuen uns auf Sie!

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